Monate: November 2017

Nachts um drei

manchmal   nachts um drei   wenn nichts mehr ist, in jenem Moment von jetzt wenn die Welt den Atem anhält   in jener Pause zwischen dem Ausatmen des Gestern und dem Einatmen für den neuen Tag   entsteht ein Riss in der Zeit   und wenn ich Glück habe hochschrecke aus meinem Schlaf genau in jenem Moment die Augen aufschlage furchtlos – voller Angst   kann es sein dass unsichtbare Fahnen vor meinen Augen wehen ich auf dem Gipfel stehe oder eine alte Frau an meinem Bett steht auf mich herab schaut   – durch jenen Riss herausgetreten – und ohne Worte bittet dass ich ihre Seele erlöse   oder ist es Zeit für mich durch jenen Spalt zu gehen um mir diese andere Wirklichkeit anzusehen? Es scheint so einfach – in jenem Moment –

Dein Glück

Dein Glück   Vater – mein Vater –   Körper – mein Körper, sag ich   wer bist Du wo bist Du wer liegt da neben mir – mein Glück – Körper – zerrissen – entgrenzt – ich taumele über mein Glück Körperchen, sagt N. zerrissen, das Fleisch in alle Winde zerstreut von allen guten Geistern verlassen – Körper, wo bist Du wer liegt da neben mir? Körperchen, sagt N. zerrissen – wieder zusammengetragen im Herzen wo ist mein Glück? wo bist Du, wo bist Du wo bin ich … Vater, mein Vater – mein Herz ich bin – ich bin – ich bin ich bin das – wo ist Ich bin?   Ich taumel jetzt noch vor Glück, sagt R. ich will, ich will ich will das nicht ich will das nicht Ich habe das geschafft, sagt I. Ich will das nicht, sag ich Körperchen, sagt N. wer bist Du? wer liegt da neben mir zerrissen, allein gelassen – zerpflückt, selbst zerrissen, wieder zusammengetragen ich, du, er, sie, es – ihr haltet es nicht …

Sich schenken

verloren gefunden der verlorene Sohn die Heimat verlassen aus dem Herzen gefallen ausgestoßen blutig geschlagen Liebe gefunden Vertrauen verloren aufgestanden hingefallen wieder verloren Vater gesucht nicht gefunden Sich selbst gesucht   BEGEGNUNG –   ich bin, singst Du – ich bin, sag ich – ich will, singst Du – Du bist, sag ich –   ausgestoßen vom Himmel gefallen – alleine sein sein können sein lassen einsam sein einsam sein können   ich bin, sagst Du – ich will, sag ich – Wollen? sagst Du –   was sonst, sag ich – ich bin, sag ich – ich bin, der ich bin.   ich will, sag ich – sein heißt auch wollen.   nackt stehst Du vor uns, mutig, sag ich – ungeschützt – so stark, sag ich – ich bin – Du bist ich will, sag ich – Du bist, singst Du – kein Gedanke – kein Wort – einfach sein, sagst Du – ich will, sag ich – einfach sein, sag ich – sein lassen   wieder gefunden – auferstanden –   immer …

Die Einsamen

Ich bin froh, dass ich mich dazu entschieden hatte, nicht zu sprechen. Das war eine instinktive Tat, ein Verteidigungsmechanismus. Wenn man nicht spricht, dann wird man auch nicht angesprochen. Vielleicht anfangs, aber nach einer Weile geben sie auf. Aus: Håkan Nesser »Die Einsamen«