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Lichter eines großen Hauses in der Nacht, leicht verscchwommen

Aiutatemi!

Ein ganz normaler Feierabend nach einem ganz normalen Spätdienst. Es ist nach zehn Uhr abends, es ist dunkel. Auf meinem Weg zur Bushaltestelle komme ich wie immer am nahegelegenen Seniorenwohnheim vorbei. Plötzlich höre ich aus der Dunkelheit eine kleine klagende Stimme: Aiutatemi, aiutatemi! (Helfen Sie mir, helfen Sie mir!) Ich nähere mich dem hüfthohen Tor, hinter dem eine zierliche Frau steht, ihrem Hilferuf nach eine Italienerin – und leicht verwirrt. Ich gehe auf sie zu, sodass nur noch das Tor zwischen uns ist, und frage sie, wie ich ihr helfen kann. Ich solle ihr das (natürlich abgeschlossene) Tor öffnen, damit sie weg kann. Das sagt sie nun auf Deutsch. Sie trägt normale Kleidung, also mehr als ein Nachthemd, was dafür spricht, dass sie sich ihre »Flucht« soweit gut überlegt hat. Sehr undiplomatisch und entgegen meiner sonstigen Art entgegne ich ihr kurz und knapp, dass sie um diese Zeit bestimmt nicht »raus darf«. Woraufhin sie plötzlich gar nicht mehr verwirrt scheint, sondern mir entgegnet, dass ich aber sehr unfreundlich sei.

Nacht, ein Wartehäuschen an einer Bushaltestelle, erleuchtet mit fahlem Neonlicht, dahinter eine kleine Vlla im Backsteinstil mit runden Fensterbögen

Ein ganz normaler Feierabend …

… nach einem ganz normalen Spätdienst, ein Abend im November. Es ist schon dunkel, schließlich ist 22 Uhr vorbei. Die Beleuchtung an der Bushaltestelle gibt nicht viel her. In einigem Abstand sehe ich einen Rollstuhl mit einer eher schmächtigen alten Dame. Da direkt gegenüber ein Seniorenheim ist, vermute ich, dass sie von dort kommt. Aber wo will sie so spät noch hin? Ob sie aus dem Heim abgehauen ist? Man hört ja öfter solche Geschichten. Der Helfer in mir will helfen. Als der Bus sich nähert, gehe ich zu ihr hin, frage sie, ob ich behilflich sein kann. Mit etwas unsteten Augen blickt sie mich an – aber sie freut sich. Ich schiebe sie in den Bus. Während der Fahrt kann ich sie in Ruhe beobachten. Sie ist ein wenig ärmlich gekleidet, was für die Bewohner des Seniorenwohnheims eher untypisch ist. Dann fällt mir auf, dass sie die ganze Zeit mit ihren Händen fahrig nestelnde Bewegungen macht. Die Fahrt nach Altona ist kurz, ich helfe ihr auch beim Aussteigen. Wo sie denn hinwolle? Zu McDonalds …

Nachts um drei

manchmal   nachts um drei   wenn nichts mehr ist, in jenem Moment von jetzt wenn die Welt den Atem anhält   in jener Pause zwischen dem Ausatmen des Gestern und dem Einatmen für den neuen Tag   entsteht ein Riss in der Zeit   und wenn ich Glück habe hochschrecke aus meinem Schlaf genau in jenem Moment die Augen aufschlage furchtlos – voller Angst   kann es sein dass unsichtbare Fahnen vor meinen Augen wehen ich auf dem Gipfel stehe oder eine alte Frau an meinem Bett steht auf mich herab schaut   – durch jenen Riss herausgetreten – und ohne Worte bittet dass ich ihre Seele erlöse   oder ist es Zeit für mich durch jenen Spalt zu gehen um mir diese andere Wirklichkeit anzusehen? Es scheint so einfach – in jenem Moment –

Großes Gebäude aus rotem Backstein, mit bunten Verzierungen, gestaltet nach Vorlagen von Friedensreich Hundertwasser

One night in Bangkok

One night in Bangkok, äh … Uelzen. Was mache ich nachts um 3 Uhr in Uelzen? Hätte mir jemand vor drei Tagen erzählt, dass ich das nächtliche Uelzen erkunden werde, den hätte ich ausgelacht. Aber es ist so. Die häufigen Zugfahrten nach Hamburg und zurück gehen ins Geld. Deshalb gucke ich immer, dass ich Zugtickets zum Sparpreis bekomme. Mit BahnCard 25 kostet dann so eine Fahrt von Bitburg nach Hamburg nur 23.90 Euro. Und für Hamburg ist im Preis sogar noch ein Cityticket drin. Nur, ich glaub die Bahn hat das gemerkt und spielt nicht mehr mit. Ab sofort will sie an mir verdienen. Denn die bietet plötzlich kaum noch Sparpreistickets auf dieser Strecke an. Aber wer lange genug sucht und warten kann, findet auch immer mal wieder eine dieser günstigen Fahrkarten. So auch ich. Abfahrt ab Bitburg abends gegen halbsieben. Ankunft morgens in Hamburg so gegen sechs. Da hätte ich schon stutzig werden müssen. Da aber die Billigtickets nur in begrenzter Anzahl zur Verfügung stehen, buche ich sofort. Erst als ich das Ticket samt …