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Nachts um drei

manchmal   nachts um drei   wenn nichts mehr ist, in jenem Moment von jetzt wenn die Welt den Atem anhält   in jener Pause zwischen dem Ausatmen des Gestern und dem Einatmen für den neuen Tag   entsteht ein Riss in der Zeit   und wenn ich Glück habe hochschrecke aus meinem Schlaf genau in jenem Moment die Augen aufschlage furchtlos – voller Angst   kann es sein dass unsichtbare Fahnen vor meinen Augen wehen ich auf dem Gipfel stehe oder eine alte Frau an meinem Bett steht auf mich herab schaut   – durch jenen Riss herausgetreten – und ohne Worte bittet dass ich ihre Seele erlöse   oder ist es Zeit für mich durch jenen Spalt zu gehen um mir diese andere Wirklichkeit anzusehen? Es scheint so einfach – in jenem Moment –

Leuchttürme

Leuchttürme faszinieren seit jeher nicht nur den Seefahrer, sondern auch Menschen, die eigentlich keinerlei Verbindung zur Seefahrt haben. Leuchttürme sind nicht nur Licht- und Wegmarken für die Schifffahrt, der sie Gefahrenstellen, aber auch den richtigen Weg signalisieren, gleichzeitig sind sie immer auch schon Symbole, die für den Binnenländer Abenteuer, Fernweh und Seeluft bedeuten. Sturmumtost, weder ganz zum Land, noch zur See gehörend, auf wind- und wettergegerbten Felsen stehend, sind sie Licht im Dunkel, Wegweiser für die Umherirrenden, bedeuten die Sicherheit des Festlandes vielleicht sogar des Heimathafens, das Symbol des Ankommens, aber auch Fingerzeig in die Ferne, ins unbekannte, gefahrvolle, geheimnisumwitterte Leben auf dem Wasser bzw. in der weiten, fremden Welt.

Ein Meer bei Sonnenuntergang, das Wasser vorne ist fast schwarz, darüber wie brennend die Sonne, kleine dunkle Wolken

Böse Wasser

Hat Wasser eine Seele? Kann Wasser böse sein? Ich glaube ja. Vor Jahren machte ich Urlaub in der Bucht von Gökeva, in der südlichen Ägäis. Die Bucht gehört zur Türkei. Damals war sie nur Einheimischen bekannt, weshalb ich an diesem Tag auch der einzige Ausländer unter lauter Türken am Strand war. Vielleicht deshalb kam plötzlich eine Schar von jungen Leuten aufgeregt auf mich zu und bat mich um Hilfe. Ein junger Mann, der gar nicht richtig schwimmen konnte, war von einer Querströmung abgetrieben worden. Das einzige Hilfsmittel, das mir spontan einfiel, war ein Kletterseil, das ich fast immer im Rucksack bei mir trug. Ich rannte mit dem Seil in die angegebene Richtung. Bald sah ich den »in Seenot geratenen« jungen Mann auf einer Luftmatratze mir entgegen paddeln. Offensichtlich war ihm schon jemand zu Hilfe gekommen. Aber er sah erschöpft und ängstlich aus. Ich rief ihm zu, das Ufer anzusteuern, wo ich stand. Das war nicht ganz einfach. Es handelte sich um eine Felsküste, ich stand auf einer kleinen Klippe etwa einen Meter über dem Wasserspiegel. …

Die Getriebenen

Ein Riss geht durch die Welt Für mich sind da auf der einen Seite die Satten, die Angekommenen, die Saturierten, die Abgesicherten, die Erfolgreichen, die Fertigen, die Zufriedenen. Sie sind bestrebt, das Erreichte zu verteidigen. Das geht soweit, das die Absicherung des Erreichten zum Selbstzweck wird. Das drückt sich dann in ihrem Reden aus, in ihrem Auftreten, in ihrem Verhalten. Sich mit ihnen zu unterhalten, kann interessant sein, aber selten fruchtbar. Sie reden von Autos, von Geld, von Erfolgen, von ihrem Haus. Sie reden auch manchmal von Literatur, von Kunst, vom Leben. Aber man sieht immer das Monetäre, das Materielle dahinter durchblitzen. Sie reden, als würden sie spüren, dass da was fehlt, dass sie sich selbst belügen. Es klingt hohl und je mehr von ihnen an einem Ort zusammen sind, und je mehr sie darüber reden, umso mehr hört man dahinter das stumme Geschrei der ungestillten Bedürfnisse, der Sehnsucht nach Abenteuer, nach Wagnis. Es sind diese Menschen, die spüren, dass sie wenig zu geben haben.  Die anderen sind die Unsicheren, die Unruhigen, nach stetiger Veränderung …